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Kraft­­werks-Kapa­­zi­­täten in der Euro­päi­schen Union schmelzen dahin

14.09.2018 All­ge­mein

BDEW-Ana­lyse zur Ent­wick­lung der kon­ven­tio­nellen Kraft­werke in Europa — Kap­ferer: “Wir werden uns im kom­menden Jahr­zehnt nicht allein auf Strom­im­porte aus dem euro­päi­schen Aus­land ver­lassen können”

Der Bun­des­ver­band der Energie- und Was­ser­wirt­schaft (BDEW) hat eine Ana­lyse zur Ent­wick­lung der gesi­cherten Kraft­werks­leis­tung in Europa vor­ge­legt. Hin­ter­grund ist die Frage, wie im kom­menden Jahr­zehnt in Deutsch­land die Ver­sor­gungs­si­cher­heit gewähr­leistet werden kann, wenn hier­zu­lande gesi­cherte Kraft­werks­leis­tung in Form von Koh­le­kraft­werken vom Netz genommen wird. Ein zen­traler Stütz­pfeiler soll nach Auf­fas­sung vieler Akteure ein zuneh­mender Import von Strom aus dem Aus­land nach Deutsch­land sein. Das jedoch setzt voraus, dass auch in den Nach­bar­län­dern Deutsch­lands mit Blick auf das kom­mende Jahr­zehnt genug gesi­cherte Leis­tung in Form von kon­ven­tio­nellen Kraft­werken vor­handen ist.

Der BDEW hat vor diesem Hin­ter­grund auf Basis von Daten der euro­päi­schen Über­tra­gungs­netz­be­treiber (ENTSO‑E) und des wis­sen­schaft­li­chen Dienstes der Euro­päi­schen Union ana­ly­siert, wie sich der Kraft­werks­park in unseren Nach­bar­län­dern ent­wi­ckeln wird. Im Ergebnis zeigt sich: Die ange­kün­digten oder dis­ku­tierten Pla­nungen in den betrach­teten Staaten zeigen einen all­ge­meinen Trend des Abbaus von Koh­le­ka­pa­zi­täten sowie von Kern­energie bei gleich­zei­tigem starken Zuwachs von Erneu­er­baren Ener­gien. Dies ent­spricht, wie zu erwarten, den abseh­baren Ent­wick­lungen in Deutsch­land. Die der­zeit noch vor­han­denen Über­ka­pa­zi­täten an gesi­cherter Leis­tung schmelzen damit überall in Europa mittel- bis lang­fristig ab. Damit stehen auch die Nach­bar­länder vor der Her­aus­for­de­rung, die Ver­sor­gungs­si­cher­heit bei stei­genden Anteilen vola­tiler Kapa­zi­täten zu gewähr­leisten. Laut des wis­sen­schaft­li­chen Dienstes der EU (JRC — Joint Rese­arch Center) ergibt sich von 2016 bis 2025 in der EU ein Rück­gang der instal­lierten Leis­tung von Koh­le­kraft­werken von 150 Giga­watt (GW) auf 105 GW und ein wei­terer Rück­gang auf 55 GW bis 2030. Das ent­spricht einer Abnahme von 63 Pro­zent. Auch der Anteil der Kern­energie geht in vielen Län­dern zurück.

“Die Ana­lyse der Ent­wick­lung in ganz Europa zeigt, dass Ver­sor­gungs­si­cher­heit ein zen­traler Punkt in der Kom­mis­sion “Wachstum, Struk­tur­wandel und Beschäf­ti­gung sein muss. Deutsch­land ist Teil des euro­päi­schen Bin­nen­marktes, aber die Nach­barn alleine werden es nicht richten. Wir haben auch eine natio­nale Ver­ant­wor­tung”, sagte Stefan Kap­ferer, Vor­sit­zender der BDEW-Haupt­­ge­­schäfts­­­füh­­rung, heute in Berlin. “Egal, wohin man seinen Blick auf einer Euro­pa­karte auch schweifen lässt: Fast überall sollen gesi­cherte Strom­erzeu­gungs­ka­pa­zi­täten vom Netz genommen werden. Und das ist keine zufäl­lige Ent­wick­lung, son­dern eine logi­sche: Alle EU-Staaten streben — rich­ti­ger­weise — den Ausbau der Erneu­er­baren Ener­gien an. In der Folge sind auch unsere Nach­barn in Europa dabei, ihre kon­ven­tio­nellen, sicheren Kapa­zi­täten zu reduzieren.

Die Zeiten, in denen sehr viel Strom nach­ge­fragt wird, seien in Mit­tel­eu­ropa nahezu deckungs­gleich: “Ist die Strom­nach­frage in Deutsch­land hoch, ist dies in der Regel auch in den angren­zenden Staaten der Fall. Ein beson­ders kalter Winter macht nicht an einer deut­schen Grenze halt. Und die strom­in­ten­siven Werk­tage sind in Europa auch iden­tisch. Wir können uns in sol­chen Phasen nicht darauf ver­lassen, aus diesen Län­dern Strom in nen­nens­wertem Umfang impor­tieren zu können.” Leider funk­tio­niere auch die Idee nicht, die Ver­sor­gungs­si­cher­heit in Deutsch­land mit dem Import von mehr Erneu­er­­baren-Strom aus dem EU-Aus­­­land abzu­si­chern, so Kap­ferer: “Die für Wind und Pho­to­vol­taik ent­schei­denden Groß­wet­ter­lagen führen in Zen­tral­eu­ropa zu einer mehr oder weniger deut­li­chen Gleich­zei­tig­keit von Erzeu­gungs­mangel oder Überflusssituationen.”

Fazit: “Es wäre zu ris­kant, wenn sich Deutsch­land zum Bei­spiel in einer Winter-Dun­­­kel­­flaute auf Strom­im­porte ver­lassen würde. Wir werden in Deutsch­land neue Erzeu­gungs­ka­pa­zi­täten auf Basis von Gas brau­chen. Die Bedin­gungen für Ener­gie­spei­cher und Kraft-Wärme-Kop­p­­lung müssen sich ver­bes­sern sowie alle Optionen zur Nach­fra­ge­fle­xi­bi­li­sie­rung ergriffen werden. Der Netz­ausbau muss deut­lich beschleu­nigt werden.”

Quelle: BDEW