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Ver­bände üben Kritik an EG-Trinkwasserrichtlinie

18.05.2018 All­ge­mein

BDEW und DVGW for­dern ganz­heit­liche Arz­nei­mit­tel­stra­tegie / Poten­tiale der Digi­ta­li­sie­rung für die Was­ser­wirt­schaft nutzen

Anläss­lich der welt­weit größten Leit­messe für Umwelt­tech­no­lo­gien IFAT for­dern DVGW und BDEW den bis­he­rigen Rege­lungs­rahmen der EG-Trin­k­­was­­ser­­rich­t­­linie zur Trink­was­ser­qua­lität und Über­wa­chung auf­recht­zu­er­halten. Grund­sätz­lich begrüßen die beiden Ver­bände die Novel­lie­rung der 20 Jahre alten EG-Trin­k­­was­­ser­­rich­t­­linie. Ins­be­son­dere die Ein­füh­rung eines risi­ko­ba­sierten Manage­ments ent­lang der gesamten Ver­sor­gungs­kette sei ein über­fäl­liger Schritt: Sowohl die Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­nehmen als auch die Mit­glied­staaten sind auf­ge­rufen, Gefähr­dungen der Trink­was­ser­res­sourcen wie auch in der Haus­in­stal­la­tion zu iden­ti­fi­zieren und Maß­nahmen zur Risi­ko­be­herr­schung zu initi­ieren. Auch die Neu­be­wer­tung der teil­weise auf die 90-er Jahre zurück­ge­henden Qua­li­täts­pa­ra­me­ter­werte durch die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion und ihre regel­mä­ßige Über­prü­fung und Anpas­sung an wis­sen­schaft­liche Erkennt­nisse sei grund­sätz­lich richtig.

Jedoch müssen bei dem risi­ko­ba­sierten Ansatz die regio­nal­spe­zi­fi­schen und trink­was­ser­rele­vanten Aspekte berück­sich­tigt werden. Die gefor­derte exor­bi­tante Erhö­hung der Pro­ben­ent­nahmen schießt weit über das Ziel hinaus und ist weder ver­hält­nis­mäßig noch bietet sie einen Erkennt­nis­ge­winn für den Gesund­heits­schutz. Der damit ver­bun­dene Auf­wand belastet ins­be­son­dere kleine und mitt­lere Was­ser­un­ter­nehmen. Das Trink­wasser in Deutsch­land ist von aus­ge­zeich­neter Qua­lität, das haben erst jüngst Unter­su­chungen des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­riums und des Umwelt­bun­des­amtes bestätigt.
Auf Kritik stoßen bei den Ver­bänden zudem die vor­ge­se­henen Aus­wei­tungen der Infor­ma­ti­ons­pflichten. Die gefor­derten Hin­weise zu Was­ser­spar­mög­lich­keiten, detail­lierten Angaben über die Geschäfts­füh­rung und Ver­wal­tung sowie über die geplanten Inves­ti­tionen leisten kei­nerlei Bei­trag zu den ori­gi­nären Qua­li­täts­zielen der Trink­was­ser­richt­linie: Dem Schutz des Lebens­mit­tels Nummer Eins wird damit nicht gedient.

Aber auch der zuneh­mende Arz­nei­mit­tel­konsum in Folge des demo­gra­phi­schen Wan­dels stellt die Was­ser­wirt­schaft vor neue Her­aus­for­de­rungen. Denn trotz der tech­ni­schen Mög­lich­keiten zur Besei­ti­gung uner­wünschter Stoffe aus den Gewäs­sern muss die Vor­sorge im Mit­tel­punkt stehen. “Wir brau­chen eine ganz­heit­liche Arz­nei­mit­tel­stra­tegie, die sich am Ver­­ur­­sa­cher- und Vor­sor­ge­prinzip ori­en­tiert. Jeder Ansatz, der nur auf Repa­ratur in Was­ser­werk und Klär­an­lage setzt, wird schei­tern”, so Martin Weyand, BDEW-Haupt­­ge­­schäfts­­­führer Wasser/Abwasser.

Der Digi­ta­li­sie­rungs­trend setzt sich auch in der Was­ser­wirt­schaft fort. Der DVGW unter­stützt seine Mit­glieds­un­ter­nehmen mit beglei­tender For­schung, inno­va­tive Lösungen für die digi­talen Her­aus­for­de­rungen zu finden: Als Weg­be­reiter einer struk­tu­rierten Über­füh­rung von Unter­neh­mens­pro­zessen und ‑abläufen in digi­tale For­mate hat der DVGW das For­schungs­pro­jekt “Rei­fe­grad 4.0” auf­ge­legt. “Anhand von Leit­fragen zum Bei­spiel zu Ent­wick­lungs­stand und ‑per­spek­tiven werden darin bestehende Modelle mit dem Ziel bewertet, sie für die Bedürf­nisse der Was­ser­wirt­schaft zu opti­mieren. Die erho­benen Daten werden durch Ver­sor­gungs­un­ter­nehmen vali­diert und dienen ihnen zur Selbst­ein­schät­zung ihres Digi­ta­li­sie­rungs­ni­veaus”, erläu­terte Prof. Dr. Gerald Linke, DVGW-Vor­­­stand­s­­vor­­­si­t­­zender, die Methodik. Um der mit zuneh­mender Digi­ta­li­sie­rung immer bedeu­tender wer­dende Frage der IT-Sicher­heit und des Daten­schutzes zu begegnen, hat der DVGW zusammen mit dem Bran­chen­ver­band DWA als erste Branche einen spe­zi­fi­schen Stan­dard ent­wi­ckelt. Er wurde vom Bun­des­mi­nis­te­rium für Sicher­heit in der Infor­ma­ti­ons­technik offi­ziell aner­kannt und wird aktuell für Quer­ver­bund­un­ter­nehmen weiterentwickelt.

Quelle: BDEW