Gemein­de­werke Sinz­heim / Über uns / Aktu­elles / For­de­rung der Was­ser­wirt­schaft zur Bun­des­tags­wahl: Deutsch­land braucht neue Arzneimittel-Strategie

For­de­rung der Was­ser­wirt­schaft zur Bun­des­tags­wahl: Deutsch­land braucht neue Arzneimittel-Strategie

15.09.2017 All­ge­mein

Was­ser­wirt­schaft legt For­de­rungen mit Maß­nah­men­ka­talog vor / Dün­ge­recht muss nach­ge­schärft werden — BDEW zur 16. Was­ser­wirt­schaft­li­chen Jahrestagung

“In Deutsch­land steigt der Medi­ka­men­ten­konsum rasant an: Bis 2045 könnte der Arz­n­ei­­mittel-Ver­­­brauch auf­grund des demo­gra­fi­schen Wan­dels um bis zu 70 Pro­zent ansteigen. Hinzu kommt der wach­sende Arz­n­ei­­mittel-Ein­­satz in der Land­wirt­schaft. Damit droht eine immense Belas­tung unserer Gewässer mit Medi­ka­men­ten­rück­ständen, die wir drin­gend abwenden müssen. Nach der Bun­des­tags­wahl muss die neue Bun­des­re­gie­rung schnell han­deln und eine Arz­n­ei­­mittel-Stra­­tegie umsetzen, die das Übel an der Wurzel packt und die zuneh­mende Gewäs­ser­ver­schmut­zung ein­dämmt”, sagte Martin Weyand, BDEW-Haupt­­ge­­schäfts­­­führer Wasser/Abwasser, zum Auf­takt der 16. Was­ser­wirt­schaft­li­chen Jah­res­ta­gung in Berlin. Dabei bezog er sich auf Ergeb­nisse einer aktu­ellen Studie, die civity im Auf­trag des BDEW durch­ge­führt hat.

Die Umwelt­po­litik müsse zudem die Ver­ur­sa­cher stärker in den Blick nehmen. Hierzu Weyand: “Wer zur Ver­schmut­zung der Gewässer bei­trägt, muss auch die Kosten für den erhöhten Rei­ni­gungs­auf­wand tragen. Es kann nicht sein, dass die Was­ser­werke und Abwas­ser­ent­sorger zu Repa­ra­tur­be­trieben unserer Gesell­schaft werden und dafür auch noch die Kosten tragen.”

Die Arz­nei­mit­tel­stra­tegie sollte ein breites Bündel an Maß­nahmen beinhalten, die auf allen Ebenen der Gesell­schaft ansetzen. Der BDEW for­dert, dass

  • die Arz­nei­mit­tel­her­steller ver­pflichtet werden, die Ent­wick­lung ziel­ge­nauer und bio­lo­gisch abbau­barer Arz­nei­mittel vor­an­zu­treiben und auf den Medi­ka­men­ten­ver­pa­ckungen einen Hin­weis für die adäquate Ent­sor­gung zu platzieren.
  • die ver­ant­wort­li­chen Stellen bei der Zulas­sung ver­stärkt auf die Umwelt­ver­träg­lich­keit der Medi­ka­mente achten.
  • Ärzte nur noch Packungs­größen ver­schreiben, die dem tat­säch­li­chen Bedarf des Pati­enten ent­spre­chen und Apo­theken bun­des­weit ver­pflichtet werden, Alt­me­di­ka­mente zurückzunehmen.
  • Ver­brau­cher ihre Alt­me­di­ka­mente sach­ge­recht ent­sorgen: Wenn mög­lich in der Apo­theke, ansonsten über den Haus- oder Sondermüll.
  • die Vete­ri­när­me­dizin den Ein­satz von Medi­ka­menten auf das nötige Min­destmaß begrenzt.

Weyand nahm zudem das Pro­blem der stei­genden Nitrat­ver­schmut­zung des Grund­was­sers in den Blick: “Die Ver­ord­nung zur Stoff­strom­bi­lanz, die der Bun­desrat in der kom­menden Woche ver­ab­schieden will, reicht für eine Trend­wende nicht aus. Überall dort, wo der Grenz­wert von 50 mg Nitrat pro Liter über­schritten wird, muss es einen Dün­ge­stopp geben. Die Ver­ord­nung ent­hält zudem zahl­reiche Aus­nahmen, die die Wirk­sam­keit des neuen Dün­ge­rechts in Frage stellen.”

Weyand ver­wies auf die Peti­tion, die der BDEW gemeinsam mit neun Umwelt­ver­bänden und der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di initi­iert hat. “Dieses breite Bündnis von Was­ser­wirt­schaft, Umwelt­ver­bänden und ver.di sollte der Land­wirt­schaft zu denken geben: Wir brau­chen end­lich ein kon­se­quentes Dün­ge­recht, das die Pro­bleme auch wirk­lich löst”, so Weyand.

Quelle: BDEW